Künstlerische Biographiearbeit

Meine Collagen spiegeln die intensive monatelange Auseinandersetzung mit der Biographie meiner Familie und ihren jüdischen Wurzeln wieder. Dafür konnte ich über ein halbes Jahr in der Bibliothek der Mahn- und Gedenkstätte Mühlenstrasse arbeiten und in dem von der USA übersandten Ordner mit den kopierten Briefen den gesamten Briefwechsel von Onkel und Tante Malsch aus Düsseldorf an ihren emigrierten Sohn Willy in New York lesen.

Diese künstlerische Biographie-Arbeit ist ein wichtiges Zeitzeugnis für meine ganze Familie, die mütterlicherseits immer schon in Düsseldorf gelebt hat. Meine, zum Zeitpunkt der Entstehung der Werke, 85 jährigen Mutter wollte sich nicht erinnern. Die Erinnerung war zu schmerzhaft. Schweigen, verdrängen und Unrecht aushalten. So ging es vielen Menschen der Kriegsgeneration. Aber sie wollte gleich das erste Bild dieser Reihe von mir geschenkt haben. Sie konnte das Hitler Kreuz im Bild allerdings nicht aushalten und hat es mit einem Foto von einem Auge überdeckt.

Tante und Onkel Malsch
„Familienfoto“ Mutter und Vater Malsch. Kann ein Pechvogel Glück bringen? Hackenkreuz oder altes Auge von Mutter, beide passten auf, dass nichts rauskommt.
12. Juni. 2011, 1. Bild von 1

1. Bild mit Hackenkreuz

Ich habe den Eindruck, dass ich als „Enkelgeneration“ endlich darüber reden kann und das ins Licht holen darf was bisher verborgen war. Und es ist in jedem meiner Bilder auch etwas positives, leichtes, bewegliches oder veränderbares zu finden.

Emotional habe ich für mich in der gesamten Zeit sehr berührt gefühlt, aber es war gleichzeitig das starke Bedürfnis diesen Schatz zu heben, der ja auch gerade für Jüngere ansprechend sein kann, denn ihre Kenntnis über die Nazi-Zeit speist sich meist aus Lehrbüchern der Schulen. Meine Collagen bieten einen emotionalen Zugang und erweisen den Toten Ehre, halten die Erinnerung an sie und ihr Leben und Leiden wach.